30 Jahre – „Happy birthday“

Ein Rückblick zum Internationalen Reitturnier Stuttgart German Master

Der Schwabe ansich ist bodenständig und bescheiden. Als Dr. Rainer Vögele, einst Chef der Stuttgarter Messegesellschaft, vor 30 Jahren gefragt wurde, welches Ziel er mit dem neuen Reitturnier in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle verfolge, antwortete er: „Etwas Richtiges und Gescheites.“ Das war 1985. Heute – 30 Jahre später – weiß man: Es ist „etwas Richtiges und Gescheites“ geworden – und viel mehr als das. Es ist das beste Hallenturnier der Welt.

Von Anfang an stimmte die Mischung aus Sport und Show. Ein „Pas de deux“ der Dänin Anne-Grethe Jensen mit Marzog und Dr. Reiner Klimke mit Ahlerich ist in die Geschichte eingegangen als wohl eine der ästhetischsten Schaunummern aller Zeiten.

Interessant ist, dass die ersten Jahre im Parcours viel mehr von den ausländischen Gästen geprägt waren als die späteren. Der Franzose Philipp Rozier gewann auf Jiva den ersten Großen Preis, ein Jahr später siegte die frischgebackene Weltmeisterin Gail Greenough auf ihrem Mister T. Erst 1993 schaffte Markus Beerbaum auf seinem Alex den ersten deutschen Sieg im Großen Preis.

Die bislang insgesamt erfolgreichste Reiterin des Turniers ist Meredith Michaels-Beerbaum, die auf ihrem Shutterfly ein paar Jahre den Sport dominierte. Dreimal hintereinander, von 2006 bis 2008, gewann sie den Großen Preis. Ähnlich erfolgreich wie seine Schwägerin ist Ludger Berbaum, der fünf Mal den Großen Preis gewinnen konnte.  Und 2013 gab es ein historisches Ereignis im Stuttgarter Parcours. Zum ersten Mal siegte ein baden-württembergischer Lokalmatador: Hans-Dieter Dreher auf Embassy. Im Viereck gelang dem Olympia-Schwaben Martin Schaudt auf seinem Weltall gleich zweimal der Titel: 2004 und 2005, einmal sogar mit einem Punkte-Weltrekord.

In der Dressur ist Isabell Werth das Maß aller Dinge. Zehnmal hat sich die fünffache Olympiasiegerin den Master-Titel gesichert – auf drei verschiedenen Pferden. Und ein Ende der Serie ist nicht in Sicht. Im Jahr 2009 erlebte das Stuttgarter Dressurpublikum besondere Momente: Der Holländer Edward Gal brachte seinen Wunderhengst Totilas mit nach Stuttgart. 1994 kam das Vierspänner-Fahren dazu, das seit 2000 eine Weltcup-Prüfung ist. Mit elf Siegen legte der Hesse Michael Freund eine unglaubliche Serie hin.

2002 folgte am immer besseren Mittwoch eine „Indoor-Vielseitigkeit“, dort suchte kein Geringerer als „Multi-Meister“ Michael Jung schon früh den Weg an die Weltspitze. Er selbst hat jetzt sechs der insgesamt zwölf Prüfungen gewonnen.

Seit dem dem vergangenen Jahr kann Stuttgart mit Fug und Recht behaupten, weltweit das einzige Turnier mit vier Weltcup-Prüfungen zu sein: Fahren seit 2000, Springen seit 2002, 2012 kehrte der Weltcup nach 23 Jahren auch in der Dressur nach Stuttgart zurück und 2013 erhielt auch das Voltigieren den Weltcup-Status.

Seit 1986 im Parcours und seit 1991 im Viereck werden donnerstags die baden-württembergischen Hallentitel vergeben, jeweils in einem Finale nach mehreren Qualifikationen das Jahr über. Diese Prüfungen machen die Verwurzelung des Turniers im Lande aus.  Der ungekrönte Hallenkönig des Landes ist Timo Beck – er konnte bislang fünf Mal das BW-Bank-Hallenchampionat der Springreiter gewinnen. In der Dressur, dem IiWEST-Cup, konnten sich Olympiasieger Martin Schaudt und die Stuttgarterin Stefanie Lempart jeweils dreimal in die Siegerliste eintragen.

Seit 2011 tragen die baden-württembergischen Junioren im Springsattel im Nürnberger Burgpokal der Junioren ihr Finale aus – seither hat auch der Nachwuchs offiziell eine Prüfung im Rahmen des „German Masters“.

Roland Kern

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