Seite 26 Rei ter journal -Ext ra Sonntag, 16. November 2025 Simone Pearce Internationale Dressurreiterin Ich bin mir bei dieser Entscheidung noch etwas unschlüssig. Einerseits bin ich natürlich sehr dafür, sich an die Vorlieben und Bedürfnisse der Pferde anzupassen. Ich denke, dass es für Paare, die mit Maul- und Anlehnungsproblemen zu kämpfen haben, sicherlich einfacher ist. Andererseits bin ich jedoch der Meinung, dass wir als Reiter auf diesem hohen Niveau wirklich in der Lage sein sollten, einen Weg zu finden, die Doppelzügel auf positive Weise einzusetzen, damit jedes Pferd glücklich ist und sich wohlfühlt, im Einklang mit den traditionellen Prinzipien der Dressur. Ich bin zwar für Anpassungen, wo sie angebracht sind, aber ich denke, wir sollten uns als Profis vor allem auf uns selbst konzentrieren: Wir sollten unser Training, unser Wissen und unsere Turniervorstellungen verbessern, anstatt den Sport selbst zu verändern. Frage des Tages: Grünes Licht für Trense im Grand Prix bis. einschließlich CDI3*: Laut neuer Regelung. besteht ab 2026 Wahlfreiheit.. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung?. Anabel Balkenhol Internationale Dressurreiterin Ich reite zu Hause gerne auch mal mit Trense. Für die Wahlfreiheit bin ich aber eigentlich nicht. In einem Wettkampf müssen im Rahmen der Chancengleichheit alle Starter die gleichen Bedingungen haben – also alle mit Kandare. Es ist meiner Meinung nach auch ein Kriterium für die Hohe Schule, mit einer Zäumung dieser Art umgehen zu können. Ich finde es aber dennoch schön, wenn mal ein Grand Prix auf Trense ausgeschrieben ist, allerdings sollte die Kandare vor allem auf Championaten Pflicht bleiben. Götz Brinkmann Trainer, Ausbilder Wir sind grundsätzlich immer aufgeschlossen und wollen gutes und schönes Reiten sehen. Auf 3*-Niveau haben wir die Wahlfreiheit nun und ich denke, wir sollten jetzt etwas Zeit vergehen lassen und schauen, wie sich das entwickelt, auch, wie es gerichtet wird. Ob es in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen Trense und Kandare gibt. Dann ist es meines Erachtens auch wichtig, dass die Bedingungen für alle gleich sind. Deswegen kann ich jetzt nicht sagen, dass diese Wahlfreiheit ganz vorne steht. Die Kandare ist eine legitime Zäumung, die sich auch bewährt hat. Sie ist nicht tierschutzrelevant und die Zäumungen werden immer sorgfältig geprüft und an das Pferd individuell angepasst. Es gibt hier so viele Möglichkeiten. Alles, was den Sport weiterbringt, wollen wir natürlich unterstützen. Sonja Pilton Grand Prix-Richterin aus Baden-Württemberg Ganz grundsätzlich finde ich es richtig, wenn der Reiter die Zäumung in der Prüfung wählen kann, mit der sich sein Pferd wohler fühlt. Das entspricht dem Tierwohlgedanken im Sport und passt auch in die Zeit. Wir Richter können beides gut beurteilen. Der Maßstab ist ein zufriedenes Pferd. Es gibt Pferde, die sind auf Trense zufriedener, andere auf Kandare. Das bewerten wir, ungeachtet der Zäumung. In der Prüfung darf das nicht entscheidend sein. Dennoch finde ich, dass es zur Ausbildung von Reiter und Pferd bei der höchsten Klasse dazugehört, auf Kandare reiten zu können und auf Kandare geritten zu werden. So gehört es auch zur klassischen Reitlehre. Fotos: Lafrentz Foto: TOMsPic
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