Seite 44 Rei ter journal -Ext ra Sonntag, 16. November 2025 Konkretisierungen des FEI-Regelwerks gesprochen, halten Sie das auch für erforderlich? Unsere Regelwerke werden ständig überarbeitet und angepasst. Die Zäumung in Verona verstieß nicht gegen das aktuelle internationale Reglement. Trotzdem wird das jetzt konkretisiert werden, dann kommt so etwas auch nicht mehr vor. Aber im Grundsatz sind die Regelwerke unserer Verbände ausreichend, wenn sie konsequent angewandt werden. Reden wir vom Sport, ein kurzer Rückblick auf A Coruna – sind Sie auch mit dem Abstand von ein paar Monaten noch zufrieden? Ja, sehr! Wir wissen ja, wie global der Springsport geworden ist und wie nahe die Nationen beieinanderliegen. Bei der Europameisterschaft lag ein Springfehler zwischen der Goldmedaille und Rang fünf, so eng war das. In dieser Situation ist eine Team-Bronzemedaille und Einzelgold immer ein Erfolg. Wir können aber auch insgesamt auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken mit einigen wichtigen Siegen in Nationenpreisen. Haben Sie mit dieser Überlegenheit von Richard Vogel gerechnet? Haben Sie so eine Souveränität schon einmal erlebt? Das war natürlich absolut phänomenal. Richie ist überhaupt für sein Alter sehr weit, nicht nur reiterlich, auch in seinem ganzen Management. Aber wir haben das Glück, dass wir ein Super-Team haben, im Championatskader, aber auch in der zweiten Reihe. Haben die vier EM-Reiter einen Vorsprung in Richtung Weltmeisterschaft? Oder werden die Karten neu gemischt. Die Reiter aus dem Championatskader haben natürlich die besten Chancen, müssen ihre Form aber bestätigen. Wir nominieren jedes Jahr neu. In diesem Jahr war die Mischung mit jungen Leuten und dem Routinier Marcus Ehning sicher optimal. Wie sieht der Sichtungs- und Qualifikationsweg im Hinblick auf die WM in Aachen aus? Wann wird nominiert? Die heiße Phase der Sichtungen und Qualifikationen wird im nächsten Jahr im Mai, Juni und Juli liegen, wenn in Europa die wichtigen Nationenpreise stattfinden, beginnend beim ersten Turnier in Aachen im Mai, da wollen natürlich alle reiten, um sich auf dem WM-Platz zu beweisen. Es ist möglich, dass wir schon im Juni für die WM nominieren, die im August stattfindet, allerdings nicht, ohne die Flexibilität zu verlieren. Jetzt in der Wintersaison haben die Reiter unterschiedliche Pläne: Weltcup, USA, Doha, Emirate. Natürlich werde ich das genau verfolgen. Aber ab Mai nächsten Jahres werden sie alle wieder hier sein. Ist es ein Vorteil, wenn die WM im eigenen Land ist? Oder erhöht das eher den Druck? Das habe ich mich in der Tat auch schon gefragt. Also erstmal ist es großartig, eine WM im eigenen Land zu haben, das erlebt man vielleicht einmal im Reiterleben. Druck? Druck sind unsere Reiter gewöhnt. Die Herausforderung könnte eher sein, sich fokussieren zu können. In Aachen werden wirklich alle dabei sein wollen: Freunde, Familie, Sponsoren. Das wird eine andere Art der Herausforderung für die Reiter. Hans-Dieter Dreher hatte in dieser Saison in Aachen ein starkes Turnier, der Platz liegt ihm. Haben Sie ihn wieder auf der Rechnung? Ja klar, Hansi gehörte zu unserem Team in A Coruna, auch wenn er Einzelreiter war. Wenn die Leistung stimmt, hat er wieder gute Chancen. Noch ein schwieriges Thema: Mannheim hat gerade das CSIO-Fünf-Sterne aus wirtschaftlichen Gründen zurückgegeben, Donaueschingen findet wohl bis auf Weiteres gar nicht statt – es sind zwei Turniere in Baden-Württemberg, die auch zu Ihren Lieblingsturnieren gehören. Werden die Turniere für die Traditionsveranstalter zu teuer? Ja leider, aber das ist eine Entwicklung der letzten 20 Jahre, das ist leider nicht neu. Der Springsport boomt weltweit, sportlich und wirtschaftlich. Überall kommen große neue Turniere dazu, nur bei uns ist das rückläufig. Ich glaube, das liegt auch an der wirtschaftlichen Situation. Es geht zu wenig vorwärts in diesem Land, die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht, die Lage auch. Eine denkbar schlechte Zeit, um Sponsoren zu gewinnen. Wir brauchen dringend eine Politik, die Reformen in diesem Land voranbringt. Wir können übrigens froh sein, dass viele unserer Reiter im Moment neben den deutschen Pferdebesitzern auch Pferde von ausländischen Besitzern haben, das gibt ihnen und uns eine größere Planungssicherheit. Die Besitzer gehören bei uns wie die Pferdepfleger zum Team. Letzte Frage, wer gewinnt heute den Großen Preis? Hauptsache, wir hören zur Siegerehrung unser Lieblingslied, die deutsche Nationalhymne. Der beste Deutsche soll gewinnen! Das Interview führte Roland Kern Otto Becker beim Fachsimpeln bei den Stuttgart German Masters. Foto: TOMsPic
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