Seite 6 Rei ter journal -Ext ra Sonntag, 16. November 2025 xenkessels „standhalten“? Die Antwort ist ja, gar legte der elegante Wallach im Vergleich zum Grand Prix noch eine Schippe oben drauf. Fast schon hatte man das Gefühl, dass er die volle Aufmerksamkeit genoss. Nach einer unruhigen Grußaufstellung folgten in Hinsicht Takt und Gleichmaß einem Metronom gleichende Piaffen und Passagen, gefolgt von einem losgelassenen Schritt mit gutem Übertritt, top zentrierten Galopppirouetten sowie fehlerfreien Einer- und Zweierwechseln. Alles zu den Klängen von Magic Moments. Sinnbildhafter hätte sich die Kür der beiden nicht präsentieren können. „Diallo war so kraftvoll und fokussiert, und das trotz des besonderen Stuttgarter Hexenkessels. Ich bin mehr als stolz auf ihn.“ Die beiden vergoldeten mit 83 Prozent ihr Weltcup-Debüt und feierten damit ihren ersten Weltcup-Sieg. Natürlich könnte sich Diallo hier und da in den Piaffen noch mehr schließen und vor allem in den Wechseltouren noch besser „durchatmen“. Das sind aber alles Aspekte, die mit der Routine kommen werden. Vielmehr sind besonders zwei Dinge einfach nur beeindruckend: das Vertrauen, welches Diallo in der Stuttgarter Grand Prix Kür an den Tag legte. Sicherlich war ihm die Atmosphäre noch nicht ganz so „geheuer“ und dennoch fokussierte er sich und warf sein Herz für seine Reiterin Jessica von Bredow-Werndl regelrecht voraus, wobei er im Vergleich zum Grand Prix fast noch selbstsicherer auftrat. „Diallo ist ein wahnsinnig lustiges Pferd. Sehr interessiert, unglaublich lernwillig und wissbegierig. Er hat mir schon oft bewiesen, dass er mir vertraut, dass er wirklich auch Lust hat, über einen Schatten zu gehen. Ich fühle Momente, wo ich mir denke, ich weiß nicht, ob ich das schon gefühlt habe“, erläuterte Jessica von Bredow-Werndl. Zweitens ist die Entwicklung des Wallachs einfach nur beeindruckend. Seit nicht einmal einem Jahr steht Diallo in Aubenhausen. In dieser Zeit hat er sich vom nationalen GrandPatrik Kittel und Touchdown galoppierten aufs Podest. Prix-Pferd zu einem Weltcup-Sieger entwickelt. Das ist beeindruckend, ja spätestens in Stuttgart ist ein neuer Stern aufgegangen namens Diallo. Übrigens: 2019 markierte die Stuttgarter Weltcup-Kür in der Karriere von Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB einen Meilenstein. Damals schlugen die beiden erstmals die Dressurqueen Isabell Werth. Darauf folgte der große Durchbruch sowie unter anderem Olympisches Gold. Wer weiß, vielleicht ist der diesjährige Stuttgarter Sieg diesbezüglich ein Zeichen. Ein weiterer „Star“ Ein Zeichen setzten in Stuttgart auch Raphael Netz und Great Escape Camelot. In der Grand Prix Kür legten sie noch eine Schippe oben drauf, brillierten in puncto Harmonie und wurden mit einem neuen Personal Best von 80,7 Prozent und Platz zwei belohnt. „Ich habe den Ritt sehr genossen. Camelot hat das größte Herz, das man sich nur vorstellen kann. Ich kann mich immer auf ihn verlassen“, schwärmte Raphael Netz. Great Escape Camelot ist im Gesamten kraftvoller und konstanter geworden. So punkteten die beiden mit gleichmäßigen Piaffen und Passagen. Auch die Galopppirouetten präsentierten sich mit verbessertem Durchsprung. Hinzu kam ein durchweg perfektes Seitenbild. Auch bei Raphael Netz könnte Stuttgart ein wichtiger Meilenstein markieren. Der Bayer übernimmt nun die Führung im Gesamtranking des Weltcups. Klar, dass er mit seinem zweiten Weltcup-Finalstart liebäugelt. Neben dem „deutschen“ Spitzenduo rückte der Drittplatzierte, der Schwede Patrik Kittel mit seinem Herzenspferd Touchdown, fast schon in den Hintergrund. Das Erfolgsduo zeigte in Stuttgart nicht ihre beste Kür. So hätte der 13-jährige Wallach aus der Hinterhand noch aktiver abfußen und sich in der Oberlinie entspannter präsentieren dürfen. Dennoch gab’s 79,6 Prozent und Platz drei vor einem weiteren, aufstrebenden Paar, Marieke van der Putten mit Kuvasz RS2 N.O.P.T. (78,7 Prozent). Larissa Pauluis und Flambeau komplettierten mit 78,6 Prozent die Top 5. Und zum Abschluss gehört noch ein weiterer Meilenstein, gar echter Gänsehautmoment, erwähnt. Der gebürtige Baden-Württemberger Moritz Treffinger reihte sich mit Cadeau Noir auf Rang sieben (76,5 Prozent) ein und sammelte damit erneut Weltcup-Punkte. Das Stuttgarter Publikum feierte ihn mindestens genauso wie das Siegerpaar. Mona Wieland Foto: Lafrentz
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